Interkulturelle Bildung Erfurt gGmbH

Geschichten aus der Rückkehrbegleitung

Mehr als 100 Menschen hat das 4-köpfige MIRA-Team aus Erfurt in Thüringen in den vergangenen Monaten bei ihrer freiwilligen Rückkehr begleitet und ihnen zu einem positiven Neustart in der alten Heimat verholfen.

Das Weggehen, Auf-Wiedersehen-sagen, Freunde oder Familienmitglieder zurücklassen ist nie eine leichte Sache. Viele Menschen, die zu uns kommen erleben dies nun ein weiteres Mal in ihrem Leben, denn sie wollen als anerkannte Geflüchtete Deutschland wieder verlassen – freiwillig, aus eigenen Stücken, und aus ganz unterschiedlichen, häufig sehr privaten Gründen.

Als ob dies nicht schon schmerzlich und gedanklich aufreibend genug wäre, startet für sie nun ein teilweise wochen- oder monatelanger Ausreiseprozess. Alles will gut organisiert sein, Papiere müssen ausgefüllt, Dokumente beantragt und Weichen für die Zukunft gestellt werden. Die Zurückkehrenden dabei nicht allein zu lassen und den gesamte Ausreiseprozesse für alle Beteiligten so schnell, effizient und angenehm zu machen ist die Aufgabe des MIRA-Projektes in Erfurt, dass dabei eng mit den Rückkehrberatungsstellen der Caritas in Thüringen zusammenarbeitet.

Für eine Ausreise gibt es verschiedene Hilfs- und Unterstützungsprogramme. Diese finanzieren beispielsweise die Gesundheitstests und Flugtickets oder geben eine finanzielle Unterstützung für die ersten Tage nach der Ausreise. Seltener und bei weitem nicht für alle Ausreiseländer gibt es auch Zuschüsse für den Aufbau einer Existenzgrundlage.
MIRA schaut sich die bewilligten Hilfen an und entwirft auf deren Grundlage unter Berücksichtigung der Wünsche der Zurückkehrenden einen beruflichen Perspektivplan. Dieser Plan heißt bei MIRA „Rückkehrfahrplan“. Er legt einen Start- und einen Zielbahnhof fest und zeigt genauestens, welche unterschiedlichen nützlichen Waggons, sprich Hilfsangebote und Unterstützungen, bis zum Erreichen des Zielbahnhofs an den „Rückkehrzug“ angekoppelt werden.
Die konkrete Hilfe, die MIRA für die erfolgreiche Umsetzung eines solchen Rückkehrfahrplanes anbieten kann, sind Sachhilfen und Bildungshilfen.

Sachhilfen werden kurz vor der Abreise oder im Rückkehrland übergeben und können ganz unterschiedliche Dinge sein – zum Beispiel Computer, Schutzausrüstungen, Werkzeuge, Kühltheken oder auch schon mal Schafe oder ein mobiler Hühnerstall. Der Fokus von MIRA liegt dabei auf der Nachhaltigkeit und der Frage: Kann sich der ausgereiste Projektteilnehmer mit der Sachhilfe eine neue Existenzgrundlage schaffen, mit der seine eigene Versorgung und die seiner Familie sichergestellt wird?
Bildungshilfen können ebenso vor und nach der Ausreise in Anspruch genommen werden und sollen den Plan einer Existenzgründung zusätzlich begünstigen. Der Erwerb von Ausbildungszertifikaten und der Neuerwerb bzw. die Auffrischung von vorhandenen Kenntnissen sind dabei die häufigsten Bildungsziele. Auch mitausgereiste Kinder profitieren von den Bildungshilfen durch Sprachkurse oder spezialisierte Lernangebote zur Angleichung an den Lehrplan des Rückkehrlandes.

Speziell mitausreisende Kinder hat MIRA noch einmal besonders in den Fokus genommen, denn für sie gibt es bundesweit keine ausreichenden Förder- und Begleitangebote. Mit Kinderkursen in Deutschland, die die Jüngsten altersgerecht auf die bevorstehende Rückkehr der Eltern vorbereiten, und Kinderkursen im Rückkehrland, die Kinder beim Ankommen und der Integration unterstützen, wird dieser Versorgungslücke entgegengetreten.
Andreas Hartmann